Der Einzelhandel kehrt zurück

Lange Zeit wurde darauf verzichtet. Jetzt wird dieses Konzept allmählich wiederentdeckt: Der Einzelhandel kehrt in die Wohntürme zurück. Wo in der Vergangenheit reine Wohnhäuser gebaut wurden, entwerfen heute moderne Projektplaner und Quartiersentwickler wieder Immobilien mit Platz für Gewerbe. Dabei kommt es auf einen guten Mix an.

Immer öfter befinden sich die Einkaufsmöglichkeiten wie Supermärkte oder Boutiquen nicht mehr ein paar Straßen weiter in einem Flachbau oder im Einkaufszentrum. Die gefragten und sich entwickelnden Quartiere wie die Europacity in Berlin, das Europaviertel in Frankfurt, die Hafencity in Hamburg oder der Medienhafen in Düsseldorf sind keine reinen Wohngebiete mehr. Hier entstehen Gebäude, die Wohnen und Gewerbe verbinden.

Denn die Ansprüche an moderne Quartiere sind gewachsen. Wohnen, Arbeit und Freizeitgestaltung werden immer mehr „zusammengedacht“. Inzwischen wird nicht mehr nur Platz für Geschäfte oder gute Restaurants im Erdgeschoss eingeplant. Der Trend geht zu sogenannten „Amenities“. Hierbei handelt es sich um Gemeinschaftsräume und Service-Leistungen wie ein Fitnessstudio, ein Wellnesscenter, ein Concierge, der Pakete annimmt, oder eine Dachterrasse, die für Veranstaltungen gebucht werden kann. Aber auch Kinos, Apotheken oder Bars ziehen in die neuen Wohngebäude ein.

Da erkannt wurde, dass es auf die Mischung in den modernen Quartieren ankommt, wird bei der Planung auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wohn- und Bürogebäuden geachtet. Dazu beschäftigen sich Quartiersentwickler detailliert mit Mikro- und Makrostandort. Hier ist wichtig: Wie ist die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Autobahn, Bahnhof oder Flughafen? Welche Arbeitgeber sind vor Ort oder daran interessiert, dort einen Firmenstandort zu errichten? Möchten die Mitarbeiter hier überhaupt in der direkten Umgebung ihrer Büros leben?

Hier kommt es besonders auf die Zielgruppe an. Arbeiten die Leute hier dauerhaft oder nur projektweise? Für die Zielgruppe, die nur projektweise in dem neuen Quartier beschäftigt ist, bieten sich Service-Apartments an. Das sind kleinere möblierte Wohnungen, die den Service eines Hotels mit den Vorteilen einer eigenen Wohnung verbinden.

Zudem sind die modernen Quartiere auch interessant für überregionale und ausländische Zielgruppen. Durch die gestiegenen Bau- und Grundstückskosten hat sich auch die Klientel für Neubauwohnungen in zentralen Metropollagen geändert. Hier reicht eine einfache Ausstattung oder weite Wege zu Arbeitsplatz oder Geschäften nicht aus. Bei modernen Wohnungen und Umgebungen spielen Lebensqualität und Effizienz eine herausgehobene Rolle.

Deshalb kommt es bei der Entwicklung eines Quartiers, in dem viele Leute wohnen und viele Unternehmen ihren Sitz haben möchten, auf eine gute Standortanalyse an. Wohnquartiere sind heute ohne Flächen für Gewerbe kaum noch denkbar.

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Foto: ClaraNila

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